Baustein 5

FAIR COMMUNICATION ist geschlechtergerecht.

Die Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern ist noch nicht hergestellt. Die Dominanz der Männer und des Männlichen ist nach wie vor Realität. Die Diskriminierung der Frauen und des Weiblichen bleibt aufrecht.

Dennoch ist in den letzten Jahrzehnten sehr viel im Sinne des notwendigen Ausgleichs geschehen. Die Trendumkehr scheint eingeleitet. Sie wurde mittlerweile in einer Reihe von Gesetzen, Richtlinien, Verordnungen usw. festgeschrieben, besitzt also nicht nur in Europa schon eine sehr breite und differenzierte rechtliche Basis. Was aber noch mehr zählt: Auch im öffentlichen Bewusstsein ist das Thema Gender Mainstreaming angekommen.

Im Sinne des übergeordneten Grundwertes „Gerechtigkeit“ steht FAIR COMMUNICATION für die Umsetzung des Gender Mainstreamings im Bereich Kommunikation.
Die Erfüllung der hier genannten Kriterien soll dazu beitragen, den Trend zur ausgleichenden Gerechtigkeit zwischen Frauen und Männern zu fördern. Entscheidend – wie bei allen anderen Kriterien – ist auch hier, dass die Erfüllung der Kriterien nicht ultimativ, d.h. sofort und vollständig, eingefordert wird, sondern dass es zuerst um den bewussten Umgang mit der Thematik und dann um die schrittweise Umsetzung geht.

Kriterien zur Geschlechtergerechtigkeit in der Kommunikation

1.  Keine Entwertung aufgrund des Geschlechts
Frauen und Männer sind unterschiedlich, biologisch und körperlich. Sogar psychische Muster lassen sich tendenziell eher Frauen oder Männern zuordnen. Aber diese Unterschiede können und dürfen nicht dazu dienen, Frauen und Männer unterschiedlich zu bewerten, oder Frauen überhaupt zu entwerten.

2.  Ausgewogene und gleichstellende Darstellung von Frauen und Männern
Ob Werbung, PR oder Internet: die Kommunikation spiegelt nicht nur gesellschaftliche Klischees, sie manifestiert sie auch. Im Sinne von Gender Mainstreaming ist es deshalb eine Mindestanforderung der fairen Kommunikation, für eine ausgewogene und gleichstellende Darstellung von Frauen und Männern zu sorgen.

2.1. Eigenschaften wie Aktivität und Passivität lassen sich keinem Geschlecht zuordnen. Darstellungen, in denen das dennoch geschieht, sollten überprüft und gegebenenfalls geändert werden.

2.2. Rationale Kompetenz über emotionale Kompetenz zu stellen, ist grundsätzlich in Frage zu stellen. Vor allem in den Fällen, wo Frauen auf das Emotionale und Männer auf das Rationale reduziert dargestellt werden, ist höchste Vorsicht geboten. Eine Überprüfung und gegebenenfalls Korrektur im Sinne der ausgewogenen und gleichstellenden Darstellung ist hier unbedingt durchzuführen.

3.  Verstärktes Sichtbarmachen von Frauen
Die Trendwende hin zur Gleichstellung der Frauen scheint geschafft. Aber sie ist noch längst nicht vollendet. Im Sinne von Gender Mainstreaming versteht sich Fair Communication auch als Möglichkeit, Frauen als gleichwertiges Geschlecht verstärkt sichtbar zu machen.
Hier handelt es sich um eines der Kriterien, die typischerweise nicht einfach als “erfüllt“ oder „nicht erfüllt“ gemessen werden können. Gerade hier kommt es deshalb auf die Bereitschaft der EntscheidungsträgerInnen und Gestaltenden an, Frauen tendenziell in den Vordergrund zu stellen. Vor allem im Bewusstsein dessen, dass Männer jahrtausendelang bewusst oder unbewusst in den Vordergrund gestellt wurden. Und werden.

4.  Etablierung eines differenzierteren Männerbildes
Das hauptsächlich kommunizierte Männerbild entspricht nicht mehr den realen Gegebenheiten. Männer sind nicht nur kühl kalkulierende Bosse, kraftstrotzende Sieger oder umsichtig wirkende Beschützer. Männer können genauso weich, unsicher, hilflos usw. sein ‑ ohne deshalb ihren Wert zu verlieren. Differenziertere Männerbilder stellen einen wesentlichen Beitrag zur gleichwertigen Darstellung der Geschlechter dar.

5.  Geschlechtergerechtigkeit in Wort und Bild
Wort und Bild sind die beiden Grundelemente jeder Kommunikation. Unabhängig davon ob Inhalte letztlich über geschriebene oder gesprochene Wörter oder über Fotografie, Video, Film, Grafik oder Illustration transportiert werden.
Wörter und Bilder können Wirklichkeiten konstruieren und manifestieren. Sie können diese aber auch ändern. Insofern ist die geschlechtergerechte Verwendung der Grundelemente der Kommunikation von essentieller Bedeutung für die faire Kommunikation.

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5.1. Geschlechtergerechte Sprache
Die sogenannte „Generalklausel“, in der zu Beginn eines Textes die Feststellung getroffen wird, dass die personenbezogenen Bezeichnungen für beide Geschlechter gelten‚ entspricht nicht der Intention der fairen Kommunikation. Geschlechtergerechte Sprache setzt das positive Bemühen voraus, beide Geschlechter von vorn herein mitzudenken. Sie schließt ein, dass bestimmte Regeln eingehalten werden, gerade um die unterschiedlichen Voraussetzungen von Frauen und Männern sichtbar zu machen und geschlechtersensible Sichtweisen zu fördern.
Es steht mittlerweile eine Vielzahl von Anleitungen zur Gestaltung von geschlechtergerechten Texten zur Verfügung. Die folgende Darstellung bezieht sich auf die Publikation „Geschlechtergerechtes Formulieren“, die vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur herausgegeben wurde. Angaben zu weiteren Publikationen finden sich am Ende dieser Darstellung.
Einfügung Zusammenfassung „„Geschlechtergerechtes Formulieren“
Einfügung Literaturabgaben zum Geschlechtergerechten Formulieren

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5.2. Geschlechtergerechte Bildsprache
Bilder sind in der zeitgemäßen Kommunikation mindestens ebenso wichtig wie Wörter. Und Bilder – ob bewegte oder unbewegte ‑ treffen Aussagen. Deshalb fordert die faire Kommunikation die geschlechter-bewusste und –gerechte Gestaltung von Bildern.
Folgende Aspekte sind dabei zu berücksichtigen:
Frauen und Männer sollen als individuelle Persönlichkeiten gleichwertig, würdevoll und in respektvoller Art und Weise positioniert und dargestellt werden.
Die unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen werden der Person und nicht dem Geschlecht zugeordnet.
Jegliche Form von sexueller Anzüglichkeit ist zu vermeiden.
Die Gleichsetzung von Frauen mit Produkten oder Tieren ist grundsätzlich zu unterlassen.
Stereotypische Darstellungen von Frauen und Männern bei der Hausarbeit, in der Arbeitswelt und Freizeit sind zu unterlassen.
Sexuelle Reize zu verwenden, um Aufmerksamkeit zu erreichen, ist in den meisten Fällen abzulehnen.
Körpernormen und aktuelle Schönheitsideale sollen im positiven Sinne verwendet werden, z. B. zur Aufklärung des missbräuchlichen Einsatzes.
Bei heterosexuellen Paaren werden Frau und Mann gleichwertig dargestellt. Dies betrifft das Alter, die Umgebung, die Körperhaltung, Gestik und Mimik, die Kleidung, die Bildkomposition und das Auftreten.
Abbildungen mit homosexuellen Paaren sind frei von Stereotypen und sexualisierten Andeutungen zu halten.
Vermeintlich weiblich besetzte Untugenden werden nicht dargestellt, z.B. übermäßiges Telefonieren, Ungeschicklichkeit, das Klischee der Gier nach Luxus, körperliche Unzulänglichkeiten u.ä.
Frauen und Männer werden auch in »untypischen« Berufen oder Freizeittätigkeiten abgebildet.