Kann man ehrlich kommunizieren? Buchpräsentation und Diskussion

Kann man ehrlich kommunizieren? Buchpräsentation und Diskussion

Buchpräsentation Fairness als Ressource

Robert Uranitsch öffnete am 18.11.2013 die Türen seiner Artfabriek, die man tatsächlich mit langem i schreibt, für einen Abend der ganz im Zeichen fairer Kommunikation stand. Anlass dafür war das vom FAIR COMMUNICATION Movement Verein, herausgegebene und von dem renommierten Soziologen Manfred Prisching geschrieben Buch „Fairness als Ressource, kann man ehrlich kommunizieren?“.

Aus Referat wurde dann doch ein längerer Text

Der österreichische Soziologe Manfred Prisching zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Sozialwissenschaftlern Österreichs. Neben einer Vielzahl von wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht er regelmäßig in Zeitungen wie dem Standard und der Kleinen Zeitung. Prisching ist darüber hinaus als Berater und Wissenschaftssoziologe aktiv. Seit 1994 ist er als Professor am Institut für Soziologie an der Karl –Franzens- Universität tätig. Auf Einladung der Fair Communication kam er zu einem der Treffen als Referent und wurde sofort als Autor mit ins Boot geholt.


Zwischen Wahrnehmung und Wahrheit

In seinem Anfangsstatement machte Manfred Prisching klar, dass  Kommunikation überall stattfindet, manchmal sogar zwischen Ehepartnern, aber in der Regel oft den Effekt von „stiller Post“ hat. Wahrnehmung und Wahrheit sind definitiv zwei sehr unterschiedliche Dinge. Vor allem ist es schwierig in einer Gesellschaft zu filtern was Lüge ist und was nicht, wenn  man streng genommen bereits Höflichkeit als leichte Form des Lügens sehen kann. Das beginnt bereits bei einem nicht so gemeinten “Guten Morgen“, den man einem unliebsamen Kollegen wünscht. Obendrein gibt es Studien, die besagen, dass wir Menschen alle 10 Minuten lügen. Da bleibt wenig Zeit für die Wahrheit. Jedoch meint Prisching, dass keine Zivilisation ohne Lüge auskommen würde. Grundsätzlich ist Vertrauen eigentlich die effizienteste Ressource und sich anständig zu verhalten, ist immer profitabel, so der Soziologe.


 
Communication 3.0 und die Fünf Gebote

Für Gerolf Wicher, Initiator und Vorstand  von FAIR COMMUNICATION, entstand das Movement eigentlich aus einer Protesthaltung heraus. „Es geht mir vor allem darum, wie Kommunikation zustande kommt: nämlich durch faires Kommunizieren und durch einzigartige Stories.“ , so der Österreichischer Marketingpreisträger dazu. Als 2008 die Idee zur Fair Communication geboren wurde traf er sich mit dem amerikanischer Wirschaftswissenschaftle und Professor  für Marketing an der Kellogg School of Management der Northwestern University , Philip Kotler, um mit ihm eine Stunde die Idee der Fair Communication zu besprechen. Kotler ist der Begründer des Marketing 3.0, einem neuen Ansatz in der Wirtschaftswissenschaft, der eine wertorientierte Betrachtungsweise in den Mittelpunkt rückt. Kotler schlug Wicher vor sein Konzept doch Communication 3.0 zu nennen.


Auf die Frage des Moderators Thomas Weber, ob es denn Zehn Gebote zur fairen Kommunikation gibt, da die 80 Praxistipps ja wohl sehr umfassend seien, antwortete Wicher: „Nein, es gibt fünf: Kommunikation soll sachlich korrekt, nachvollziehbar und transparent sein, Barrieren tendenziell abbauen, diskriminierungsfrei und geschlechtergerecht sein sowie ressourcenschonend agieren.“

Vollpfosten vs. Ehrenheld

In der anschließenden Diskussion erklärte die Filmemacherin Astrid Rampula, welche Verantwortung man vor allem im Dokumentarfilm dahingehend hat, Authentizität einzufangen und objektiv um die Darstellung von Menschen bemüht zu sein. Lässt man jemanden als Vollpfosten oder Ehrenheld erscheinen, oder obliegt es der eigenen Verantwortung wie man sich präsentiert?


Bewusstsein schaffen

Die Gesundheitsmanagerin, Führungskräfte-Coach, Trainerin und Buchautorin Maria Wonisch meint, dass Fairness in der Kommunikation ein Teil der Unternehmenskultur sein muss und dadurch als logischer Schluss, Bewusstsein bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geschaffen.


Keine Lügen, mehr Geschichten!

Der Texter und Konzepter Peter Friedl hat die Werbung als etwas kennengelernt, dem man grundsätzlich nicht trauen sollte. Dann hat er seine erste Broschüre über Stickstoffreinigungsanlagen geschrieben. Und das liegt jetzt schon knapp dreißig Jahre zurück. . Friedl meint, dass man in der Werbung Zeit damit verbringt Klischees zu wiederholen. Er selbst rät  Unternehmen von Altbewehrten abzukehren und umzudenken. Werbung muss deshalb nicht langweilig sein! „Menschen wollen nicht betrogen werden sie wollen Geschichte hören!“, so Friedl.

 
Fair Communication als Teil des Lehrplans

Ein Lehrgang an der FH Joanneum hat dieses Semester eine ganz besondere Lehrveranstaltung berichtete die Medienwissenschaftlerin Gudrun Reimerth, die dort PR und Unternehmenskommunikation unterrichtet. Die Studierenden stehen vor der Herausforderung ihre Konzepte nach den Richtlinien der Fair Communication zu gestalten. Der Sinn dahinter ist, das Verständnis der angehenden Kommunikationsprofis dahingehend zu schärfen, faire Kommunikation in ihrer Arbeit